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Die Figeac-Fahrt 2003 - Verantwortliche Fahrtbegleiter:
Dieter Dietzel, OStR i. K., Kirsten Backhaus (jetzt
Wieder), StR´ i. K. Reisetermin: 19. bis 28. Mai 2003
19 beteiligte Schüler aus der Jahrgangsstufe 8

Vorbereitung
Die Begegnung wurde vorbereitet seit Dezember 2002 durch
intensive Kontaktaufnahme zwischen den Schülern (Sammel-Sendungen),
Termin- und Programmabsprachen zwischen den verantwortlichen
Leitern (Dietzel und Deroef), persönliche Vorstellungen
durch Briefe, eMails, Ton- und Videocassetten. Die Schüler
hatten Gelegenheit, den Partnerschüler und sein Umfeld
kennenzulernen, da obligatorisch Dossiers und Fotomappen
von Aspekten der Partnerschule / Partnerstadt angefertigt
und übersandt wurden. Daneben wurden geographische Besonderheiten
der Zielregion, klimatische Bedingungen, Landschaften
und Geschichte, aber auch allgemeine französische Lebensgewohnheiten,
das Essen und andere praktische Hinweise für die Reise
im Unterricht besprochen (sofern sie nicht sowieso Gegenstand
im Lehrwerk waren).

Ablauf
Das Programm in Figeac orientierte sich an denTraditionen
einer seit 1967 bestehenden Schulpartnerschaft, an den
kulturellen Besonderheiten der Stadt Figeac und des
besuchten Departements LOT, sowie den Bedingungen des
Schullebens an der Partnerschule. Die Veranstaltungen
der einzelnen Besuchstage wurden zwischen den beteiligten
Austauschlehrern im Vorfeld abgestimmt.
In FIGEAC fand in diesem Jahr zunächst eine Führung
durch den historischen Stadtkern statt, am Nachmittag
wurde das Museumsdorf CARDAILLAC besucht, wo den Schülern
- wiederum mit Führung - Einblick in das Landleben am
Anfang des letzten Jahrhunderts gegeben wurde. Dabei
wurden die typischen Lebensgrundlagen dieser Gegend
- und die Verarbeitung typischer Produkte der Gegend
interessant vorgeführt, mit anschließender "dégustation".
Am folgenden Tag gab es die obligatorische Führung durch
unsere Partnerschule, mit Pausen-Imbiß und Begrüßung
durch die Direktorin, der freie Mittwochnachmittag war
auch für unsere Schüler frei, um sich bei ihren frz.
Partnern in die Familie einzuleben. Am Donnerstag waren
die Partnerschüler ganztägig mit ihren "corres" zusammen
unterwegs, es wurde die Tropfsteinhöhle von PADIRAC
besucht, danach eine gemeinsame Wanderung zum Wasserfall
von AUTOIRE unternommen. Den Abschluß bildete der Wallfahrtsort
ROCAMADOUR, wo es am Nachmittag auch eine faszinierende
Schau mit fliegenden Raubvögeln gab (Rocher des AIGLES)
Die französischen Schüler waren für diesen Unterrichtstag
freigestellt.

Am Freitag nahmen unsere Schüler zunächst am Unterricht
teil, danach wurde ein Diavortrag über das Departement
LOT geboten, am Nachmittag wurden die Schüler im Musée
CHAMPOLLION mit der Bedeutung der ägyptischen Hieroglyphen
vertraut gemacht (Atelier) und konnten sich selber in
diesen Schriftzeichen üben, nachdem sie die Leistungen
des berühmten Altertumsforschers und Sohnes der Stadt
anhand von Exponaten und einem Videofilm kennengelernt
hatten. Am Abend war - unter tragender Mitwirkung der
Gasteltern - eine große Partnerschaftsfeier organisiert
worden, um beide Seiten noch näher zusammenzuführen.
Das Wochenende wird immer in den FAMILIEN selber gestaltet,
damit unsere Schüler Gelegenheit zu Entdeckungen und
Aktivitäten außerhalb des festgelegten Programmablaufs
erhalten. Am Montag wurde ein ganztägiger Ausflug in
die Innenstadt von TOULOUSE unternommen ("Les trésors
du patrimoine"), wo zumindest die wichtigsten Sehenswürdigkeiten
in deutscher Sprache erläutert und besucht wurden (Saint-Sernin,
Capitole, Jacobins etc.), jedoch blieb auch Zeit für
den Stadtbummel in Kleingruppen.
In diesem Jahr wurde
eine neue - meines Erachtens interessante - Erschließung
der touristischen und kulturellen Möglichkeiten der
Region erprobt: Unsere Schüler erhielten (gruppenweise)
die Aufgabe, ein fiktives Besuchsprogramm für unterschiedliche
Zielgruppen zusammenzustellen (siehe Arbeitsblatt!).
Zur Verfügung standen ihnen dabei neben Kartenmaterial
eine Vielzahl von Prospekten aus den örtlichen Offices
du Tourisme (Tourismus-Büros) ... und es kamen nach
konzentrierter zweistündiger Arbeit sehr interessante
Ergebnisse dabei heraus.
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Am späten Vormittag dieses Dienstag wurden deutsche
und französische Partner sowie ihre betreuenden Lehrer,
die Schuldirektorin und andere Verantwortliche von der
Bürgermeisterin im Rathaus-Park empfangen und mit kleinen
Köstlichkeiten bewirtet , auch dies eine lange und -
unseres Erachtens - wertvolle Tradition für das Ansehen
und den Fortbestand dieser Schulpartnerschaft. Den Abschluß
am Nachmittag bildete der Besuch eines Mahnmals (CINGLE)
auf einer Anhöhe über der Stadt Figeac, wo den Schülern
nicht nur ein hervorragender Rundblick, sondern vor
allem Einzelheiten über ein dunkles Kapitel unserer
deutsch-französischen Vergangenheit, nämlich Tod und
Deportationen während der Zeit der Occupation und Résistance,
sachkundig und verständlich geboten wurde.
Am nächsten Morgen war die Abreise, und trotz punktueller
Streiks im öffentlichen Dienst und Transportwesen (einen
Streik des Collège haben unsere Schüler selbst miterlebt!)
wurde die Heimfahrt davon nicht behindert.

Verständigung
Die beteiligten Schüler lernen Französisch seit Stufe
7, ihre Partnerschüler haben Deutsch "première" oder
"deuxième langue" gewählt. Notfalls diente beiden Seiten
auch Englisch zur Verständigung. Für Übersetzungs- und
Dolmetscheraufgaben (z. Bsp. bei den Führungen oder
in den jeweiligen Rathäusern) standen in jedem Fall
die beteiligten Kollegen zur Verfügung, Marc Deroef,
Deutschlehrer seit 1985 am Collège, die beiden deutschen
Französisch-Lehrer, Dieter Dietzel, am Ev. Gymn. seit
1976, und seine mitgereiste Kollegin, Kirsten Backhaus,
Französisch- und Englischlehrerin am Ev. Gymnasium seit
diesem Schuljahr 2003.
In Toulouse und am Mahnmal gab es darüber hinaus eine
Stadtführung in deutscher Sprache.
Auswertung
Die deutsche Reisegruppe (Schüler Dietzel / Backhaus)
hatte einen Fragebogen / Questionnaire erarbeitet, mit
dem französische Passanten interviewt wurden. Die Ergebnisse
bedürfen noch der Sichtung. Eine öffentliche Präsentation
unseres langjährigen Austauschs hat bei verschiedenen
Anlässen des Schullebens (Tag der offenen Tür für Grundschüler
etc.) häufig stattgefunden und ist wieder geplant.
Vor allem während des Gegenbesuchs 2002 der Gastschüler
standen Aspekte des unterrichtlichen und sprachlichen
Miteinander im Mittelpunkt, unter Einbeziehung der begleitenden
Lehrer und einiger Kollegen anderer Fächer der Differenzierungs-Kurse.
In diesem Zusammenhang sind inzwischen sog. "Projekttage"
eingeführt, wo deutsche Schüler und die französischen
Gäste zwei Schul -Vormittage an gemeinsamen Aufgaben
(Diff-Kurse der Stufe 9) arbeiten. Dies hat, von Ausnahmen
abgesehen, bisher stets gute oder zufriedenstellende
Ergebnisse gebracht und den Schulalltag während des
frz. Gegenbesuchs eher bereichert als "nur" die früher
übliche "Teilnahme am Unterricht".

Konsequenzen
Das Evangelische Gymnasium setzt weiterhin - wie auch
die frz. Partnerschule - auf ein interkulturell ausgewogenes
Besuchsprogramm, in dem landeskundliche, geschichtliche
und wirtschaftliche Grundkenntnisse vermittelt, regionale
Attraktionen (auch im Kontrast Stadt und Land) besucht,
ein vertiefter Einblick in das jeweils andere Schulleben
sowie die konkreten Lebens- und Arbeitsbedingungen vor
Ort sichtbar gemacht werden.
Wir vermeiden (nach Möglichkeit) stärker freizeitorientierte
Ausflüge, z. Bsp. in kommerzielle Vergnügungsparks,
und bieten stattdessen im offiziellen Programm u. a.
Betriebsbesichtigungen, das Haus der Geschichte in Bonn,
ein Kölner Museum nebst Stadtbummel, das Ruhrgebiet
mit seinen Industriedenkmälern, Hagens Freilichtmuseum,
einen Empfang durch die Stadt Meinerzhagen, lehrreiche
Kurzwanderungen im Ebbegebirge, sportliche Begegnungen
sowie eine Partnerschafts-Fete an. Die beteiligten Familien
sind darüber hinaus natürlich frei, dem Unterhaltungsbedürfnis
ihrer Gäste Rechnung zu tragen.
Wir halten dies für eine geeignete Formel, auch in
Hinblick auf die beteiligte Altersgruppe der 14-15jährigen
, unseren langjährigen Austausch mit den französischen
Schülern (seit 37 Jahren fast ununterbrochen!) noch
viele Jahre nutzbringend und einvernehmlich fortzusetzen.
Dieter Dietzel

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