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Artikel der MZ vom 23.12.2010

Unterstützung seit 20 Jahren

Meinerzhagener Zeitung vom 23.12.10,

MEINERZHAGEN ▪ Ramalakshmi besucht die 10. Klasse. Sie hat Glück – im Gegensatz zu vielen Gleichaltrigen kann sie zur Schule gehen. Während viele Frauen in Indien ohne Chance auf Bildung bleiben, kann sie vielleicht in ein paar Jahren als Krankenschwester oder Lehrerin arbeiten.

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Die „Sri Meenakshi School“ wird inzwischen von 460 Mädchen besucht.

Viele ihrer Altersgenossinnen, die keine Schule besuchen konnten, werden dann ihr spärliches Einkommen mit knochenharter Arbeit in einem Steinbruch verdienen. Es ist eine der wenigen Möglichkeiten, in der Region von Karadikkal im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu Geld zu verdienen. Unter härtesten Bedingungen müssen sie Steine zerschlagen – und das für einen Hungerlohn.

Das müssen die Schüler der siebten Klassen des evangelischen Gymnasiums in Meinerzhagen zwar auch, allerdings nur einmal in ihrem Leben, eine Stunde lang. Ungläubig schauen sie dann auf ein paar Cent, die ihre Lehrer Rainer Augustin und Rolf Heiche ihnen nach der Projektstunde in die Hand drücken. Es entspricht in etwa dem Lohn der indischen Arbeiter. Dafür gibt’s im Schulkiosk nichts Leckeres zu kaufen. Es ist eine ungemütliche Erfahrung, auf matschigem Untergrund hartes sauerländisches Gestein zu zerkleinern. Doch es öffnet die Augen für die Lebensbedingungen der indischen Altersgenossen, denn Kinderarbeit ist auch im Steinbruch keine Seltenheit.

Bereits seit 20 Jahren unterstützt das Evangelische Gymnasium Meinerzhagen die Mädchenschule „Sri Meenakshi School“ im südindischen Karadikkal. Dass die Zahl der Schülerinnen in dieser Zeit von 100 auf 460 angehoben werden konnte, ist auch den Meinerzhagener Schülern, Lehrern und Förderern zu verdanken. Durch Rockkonzerte, Basare und andere Aktionen beschaffen die Gymnasiasten immer wieder Spendengelder, weitere Unterstützung ist durch langjährige Patenschaften gesichert. So können jedes Jahr 4000 Euro an den Träger der Schule, die Wohltätigkeits-Organisation „Balar Illam“, überwiesen werden.

Wie gut dieses Geld angelegt ist, davon machte sich Rainer Augustin erst kürzlich ein Bild, als er mit seiner Frau Cornelia und seinen drei Töchtern nach Indien reiste. Seit Beginn der Förderung sind er und sein Kollege Rolf Heiche bereits viele Male dort gewesen. Die Dankbarkeit, die ihnen von Lehrern und Schülerinnen entgegengebracht wird, berührt sie aber jedes Mal aufs Neue. „Wir möchten diesen Dank natürlich gerne an diejenigen weitergeben, die das Projekt in all den Jahren gefördert haben“, unterstreicht Rainer Augustin. Die Schule mit angeschlossenem Heim und Schulfarm hat sich sehr positiv auf das Leben in Karadikkal ausgewirkt: „Früher mussten die Lehrer in den Dörfern Überzeugungsarbeit leisten, damit die Mädchen zur Schule gehen durften“, erzählt Rainer Augustin. „Heute werden die Töchter ehemaliger Schülerinnen ganz selbstverständlich in die Schule gebracht.“ Die bessere Bildung vieler Frauen führe dazu, dass die Zahl der Geburten in der Region zurückgeht. „Eine erfreuliche Entwicklung“, so Augustin. Etwa die Hälfte der Schülerinnen lebt in dem Heim, das zur Schule gehört. 60 von ihnen sind Waisen, andere haben nur ein Elternteil oder ihre Familien sind sehr bedürftig. „Dass sich die Mädchen wohl fühlen ist deutlich zu spüren“, erzählt der Pädagoge. Die freundliche und fröhliche Atmosphäre sei immer wieder beeindruckend. Mit Hilfe von Spenden konnte vor zwei Jahren ein weiteres Heimgebäude errichtet werden. Zusätzliche Schulräume sollen in den kommenden Jahren entstehen. Lediglich die Schulfarm, die zum Unterhalt der Schule beiträgt, bereitet den Verantwortlichen Sorgen. „Die Erträge sind derzeit sehr gering, da das Wasser knapp ist“, so Augustin. Erstmals sah er den Farmbrunnen vollkommen ausgetrocknet. Ob der Klimawandel der Grund ist, oder andere Faktoren eine Rolle spielen, lasse sich derzeit noch nicht sagen. Das ursprüngliche Ziel, durch die Ernteerträge langfristig die finanzielle Unabhängigkeit der Schule zu erreichen, ist nun erstmal in weite Ferne gerückt. Trotz dieses Wermutstropfens ist die stetig wachsende Schule ein Zeichen der Hoffnung für viele indische Mädchen, die wie Ramalakshmi aus ärmsten Verhältnissen kommen und hier neben einer guten Schulbildung, auch die Chance auf eine fröhliche, geborgene Kindheit und eine lebenswerte Zukunft bekommen. Wer die Schule unterstützen möchte, kann eine Spende auf das Konto Karadikkal mit der Nummer 11 88 444 600 bei der Volksbank im Märkischen Kreis (Blz 44 76 15 34 einzahlen. ▪ ps